Archiv für November 2011

“China fordert Ausbau der Entwicklung”

5 62011vUTC11bUTCSat, 26 Nov 2011 11:51:00 +0000 2006

Die Modelloffensive von Mercedes-Benz hat ihren Preis: Der Daimler-Konzern steckt so viel Geld wie nie in die Entwicklung neuer Autos und die Erforschung grüner Zukunftstechnik. Nachdem die Entwicklungsmannschaft in Deutschland aufgestockt worden ist, richtet sich das Augenmerk von Daimler-Vorstand Thomas Weber vor allem auf Standorte wie Peking oder Bangalore. Der zu Daimler gehörende Entwicklungsdienstleister MB-Tech soll zudem durch den Einstieg eines Partners unabhängiger vom Stuttgarter Autokonzern werden.

Herr Weber, vor Kurzem hat Daimler-Chef Dieter Zetsche eine große Modelloffensive angekündigt, mit der Mercedes-Benz bis 2020 zum weltweit absatzstärksten Premiumhersteller werden soll. Allein bis zum Jahr 2015 soll es zehn zusätzliche Modelle geben. Wie schaffen Sie das mit Ihrer Mannschaft?

Zur Vorbereitung und Umsetzung dieser Strategie haben wir bereits in den vergangenen Jahren unser Entwicklungsbudget kontinuierlich aufgestockt. Im vorigen Jahr waren es im Gesamtkonzern 4,8 Milliarden Euro, in diesem Jahr werden wir mehr als fünf Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgeben, so viel wie nie zuvor. Und im nächsten Jahr werden wir die Ausgaben von diesem Rekordniveau aus nochmals steigern.

Wie wirkt sich die Produktoffensive auf die Beschäftigung im Entwicklungsbereich aus?

In den vergangenen Jahren ist die Stammbelegschaft deutlich aufgestockt worden. In meinem Bereich, also Forschung und Entwicklung für den Gesamtkonzern und Entwicklung von Mercedes-Benz Cars, sind in den letzten vier Jahren mehr als 1200 Mitarbeiter in Deutschland hinzugekommen. Insgesamt sind es heute rund 14.700 Mitarbeiter weltweit, und das noch ohne die Nutzfahrzeug-, Van- und Busentwickler. Selbst in der Krise haben wir eingestellt, insbesondere Spezialisten für Schlüsselfelder wie alternative Antriebe, Elektrik und Elektronik sowie Kommunikationstechnik im Auto. Damit haben wir konsequent die Weichen für die Zukunft gestellt.

Es gab Kritik aus der Belegschaft, dass Leiharbeit und Werkverträge im Entwicklungsbereich eine immer größere Rolle spielen und das Unternehmen damit die Kosten drücken wolle.

Diese Vorwürfe treffen nicht zu. Über Zeitarbeit werden nur die Spitzen abgedeckt. Wir benötigen, wie die anderen Autohersteller auch, viel Flexibilität bei der Kapazität, weil es im Entwicklungsbereich immer Zyklen gibt. Vor dem Anlauf eines neuen Modells ist enorm viel zu tun, bis das Auto auf den Markt kommt. Danach kann die Entwicklungsarbeit für dieses Modell zurückgefahren werden.

Der Betriebsrat berichtet, dass ein Teil der zusätzlichen festen Stellen im Entwicklungsbereich erst auf Druck der Arbeitnehmervertreter zustande kam. Mitarbeiter externer Ingenieurdienstleister hätten im Rahmen von Werkverträgen bei Daimler gearbeitet, obwohl sie eng in die Entwicklungsteams des Unternehmens integriert waren, was bei Werkverträgen eigentlich nicht geht. Deshalb habe man die Mitarbeiter nun fest eingestellt.

In den starken Wachstumsphasen in der Vergangenheit war vielleicht nicht alles so transparent wie zum Teil gewünscht. Priorität hatte hier eindeutig, möglichst schnell große Fortschritte zu machen, zum Beispiel bei der Verbrauchsreduzierung. In einem guten Dialog mit dem Betriebsrat haben wir hier aber mittlerweile für Transparenz gesorgt. Wir setzen uns heute drei- bis viermal im Jahr gezielt zusammen, und reden über die strategisch wichtigen Themen und wie wir den Zuwachs an Aufgaben intelligent organisieren können.

Unruhe gab es in letzter Zeit auch bei der Daimler-Entwicklungstochter MB-Tech, wo bisher kein Tarifvertrag galt und jetzt über einen Haustarif verhandelt wird. Zudem soll jetzt ein starker Partner für MB-Tech gesucht werden. Ist dies der Einstieg in den Ausstieg bei dieser Tochter, weil sie zu teuer wird?

Nein, keineswegs. Ich bin sehr froh, dass wir MB-Tech haben und bekenne mich ganz klar zu unserer Tochter. Als wir MB-Tech vor zehn Jahren gegründet haben, wollten wir einen Entwicklungspartner schaffen, der eng mit uns verbunden ist. Wir haben nicht vor, uns von der MB-Tech zu trennen, sondern suchen im Rahmen unserer Wachstumsstrategie einen starken Partner. Wir wollen MB-Tech fit für die Zukunft machen, damit das Unternehmen die Marktchancen für Entwicklungsdienstleistungen noch besser nutzen kann. Dieser Markt wird stark wachsen.

Also soll MB-Tech mehr Aufträge von anderen Unternehmen an Land ziehen?

Ja! MB-Tech hatte früher einmal ausschließlich Aufträge von Daimler, heute sind es noch rund 80 Prozent. Aufträge kommen heute von unseren Zulieferern, aber auch von Wettbewerbern und zusätzlich aus anderen Branchen wie etwa aus der Luftfahrtindustrie. Unser Ziel ist, dass zukünftig 50 Prozent der Aufträge von anderen Unternehmen kommen. Um genau das zu erreichen, sprechen wir mit mehreren potenziellen Partnern über einen Einstieg und wollen bis Ende des Jahres einen Knopf dranmachen. MB-Tech ist ein Kleinod, das mit dem richtigen Partner noch wertvoller wird.

In der Belegschaft gibt es heute auch die Sorge, dass künftig immer mehr Entwicklungsaufgaben in Wachstumsmärkte wie Indien oder China verlagert werden und dies zu Lasten der Beschäftigung an den heimischen Standorten geht.

Forschung und Entwicklung ist ein enorm wichtiger Teil unseres Unternehmens und wird bei Daimler auch künftig in Deutschland verankert bleiben. Unser Ziel ist, unsere Entwicklungsaktivitäten in Wachstumsmärkten wie Indien oder China weiter stärken, aber nicht zu Lasten der Mannschaft hier. Wenn wir uns dem Wettbewerb stellen und unsere Kostenstrukturen auch hier weiterentwickeln, besteht kein Risiko für den F&E-Standort Deutschland.

Wie sehen die Perspektiven für die Entwicklung im Ausland aus?

Von den rund 14.700 Mitarbeitern in meinem Bereich arbeiten heute schon rund 1000 Mitarbeiter im Ausland. Nachdem wir die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland in den vergangenen Jahren aufgestockt haben, werden wir jetzt ein starkes Augenmerk darauf legen, dass wir auch die Entwicklung im Ausland ausbauen. China beispielsweise fordert als Wachstumsmarkt, dass wir neben dem Ausbau der Produktion auch die Entwicklung dort intensivieren. Heute arbeiten in Peking deutlich über 100 Mitarbeiter in der Entwicklung. In naher Zukunft werden es mehrere Hundert sein. In Indien haben wir am größten Entwicklungsstandort in Bangalore heute rund 500 Mitarbeiter. Dort streben wir kurzfristig eine Verdopplung an, wobei es dabei nicht nur um Forschung und Entwicklung für das Automobil geht, sondern auch um Informationstechnik, wo Indien traditionsgemäß sehr stark ist.

Bei der Entwicklung grüner Technik setzt Daimler stark auf Allianzen mit anderen Unternehmen. In der Belegschaft wird dies mit einer gewissen Sorge registriert, weil man um die Beschäftigung fürchtet, wenn die alternativen Antriebe erst einmal ihren Siegeszug antreten.

Es wäre vermessen, wenn wir meinen würden, alles, was neu auf uns zukommt, könnten wir allein am besten. Für mich sind diese Partnerschaften kein Risiko, sondern eine Chance. Wenn wir uns bei Elektromotoren mit Bosch zusammentun, wird in der Kombination der Stärken beider Unternehmen etwas entstehen, mit dem wir vor der Konkurrenz liegen. Wenn wir in der Batterietechnik, also einem Prozess, der sehr viel mit Chemie zu tun hat, mit Evonik auf einen starken Chemiepartner setzen, dann ist das doch nur klug.

Aber können Sie nicht nachvollziehen, dass die Daimler-Mitarbeiter in den Werken Untertürkheim oder Sindelfingen Bedenken haben, wenn die Elektromotoren in Hildesheim, die Batterien im sächsischen Kamenz oder Carbonteile in einer neuen Fertigungsstätte mit dem japanischen Partner Toray in Esslingen produziert werden?

Das Elektrofahrzeug wird nicht über Nacht in großen Stückzahlen kommen. Selbst in optimistischsten Szenarien wird der Anteil reiner Elektroautos bis zum Jahr 2020 auf maximal 20 Prozent geschätzt. Dies bedeutet, dass 80 Prozent der Autos immer noch Verbrennungsmotoren haben – sei es als Hybridautos oder Range Extender, der die Reichweite eines Elektroautos verlängert. Über das nächste Jahrzehnt wird also die Bedeutung der konventionellen Antriebsvarianten weiterhin sehr hoch sein. Deshalb muss man die genannten Allianzen unter dem Blickwinkel der Zukunftssicherung sehen: Wir arbeiten gemeinsam mit Hochdruck an den technologisch besten Konzepten, basierend auf den innovativen Ideen unserer Forscher und Entwickler. Die ersten Elektromotoren werden in unserem gemeinsamen Joint-Venture in Hildesheim produziert, die ersten Batterien in Kamenz, ebenfalls in Deutschland. Und wie es weitergeht, wird sich zeigen. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir mit den besten Konzepten, der besten Qualität und wettbewerbsfähigen Kosten nichts zu befürchten haben. Im Gegenteil, wir sind hervorragend für die kommenden Herausforderungen aufgestellt, und ich bin daher zuversichtlich für unsere Standorte.

Umsatz: Die MB-Tech Group ist ein Entwicklungsdienstleister und Beratungsunternehmen mit Hauptsitz in Sindelfingen, das Aufträge vor allem von Autoherstellern und deren Zulieferern erhält. Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts ist das 1995 gegründete Unternehmen stark gewachsen. Im Jahr 2010 erwirtschaftete MB-Tech einen Umsatz von 300 Millionen Euro.

Mitarbeiter: Weltweit beschäftigt die Daimler-Tochter heute rund 2900 Mitarbeiter an Standorten in Europa, Nordamerika und Asien. In Sindelfingen sind insgesamt 1800 Mitarbeiter tätig. Im Juni hat MB-Tech im ungarischen Kecskemét eine Tochtergesellschaft gegründet, die hauptsächlich das dortige neue Daimler-Werk unterstützen soll, in dem vom nächsten Jahr an die neuen Modelle der Kompaktklasse vom Band laufen. Zur MB-Tech-Gruppe gehört auch das Autotestgelände im niedersächsischen Papenburg.

Tarifverhandlungen: Anders als Daimler ist MB-Tech kein Mitglied des Arbeitgeberverbands. Das Gehalt der Mitarbeiter von MB-Tech ist in der Regel deutlich niedriger als das von Daimler-Mitarbeitern in der Forschung und Entwicklung. Auf Druck des Betriebsrats und der IG Metall wurden Verhandlungen über einen Haustarifvertrag aufgenommen, der sich nach den Vorstellungen der Gewerkschaft an den Flächentarif anlehnen soll. Bis Anfang nächsten Jahres soll ein Vergütungssystem mit klaren und einheitlichen Kriterien eingeführt werden. Bis jetzt gibt es eine große Spreizung bei den Einkommen.

 

Daimler investiert und krempelt Standort Untertürkheim um

5 62011vUTC11bUTCSat, 26 Nov 2011 11:46:57 +0000 2006

Die gute Nachfrage und zahlreiche Fahrzeuganläufe veranlassen Daimler, 2011 und 2012 kräftig in das Stammwerk Untertürkheim zu investieren. Insgesamt fließen mehr als 1,5 Milliarden Euro in den Aus- und Umbau sowie in den Anlauf neuer Produkte und Fertigungstechnologien im Bereich der Achsen-, Getriebe- und Motorenproduktion. Allein 270 Millionen Euro entfallen auf den Hochlauf desneuen Doppelkupplungsgetriebes in Hedelfingen, das in der B-Klasse zum Einsatz kommt. Auch wurde der Bereich der Vorbetriebe, die Gießerei und Schmiede in Mettingen, auf die Zukunft ausgerichtet. Für rund 65 Millionen Euro konnte in der ehemaligen Graugießerei dieses Jahr die Fertigung von Turboladergehäusen nach einem eigens entwickelten Gießverfahren aufgenommen werden. 2012 wird dann ein Druckguss-Technikum in Betrieb gehen, für das 30 Millionen Euro investiert wurden. Dort werden künftig Gießprozesse simuliert und optimiert sowie Werkzeugkonzepte entwickelt.

Mercedes-Benz Werk Bremen baut 6-millionsten Pkw

5 12011vUTC11bUTCMon, 14 Nov 2011 12:42:51 +0000 2006

1978 lief der erste Mercedes-Benz Pkw, ein E-Klasse T-Modell, in Bremen vom Band. Heute, rund 33 Jahre später, feiert das Mercedes-Benz Werk Bremen die Produktion des 6-millionsten Fahrzeugs. Aus diesem Anlass übergab Andreas Kellermann, Leiter Mercedes-Benz Werk Bremen, die Schlüssel des Jubiläumsfahrzeugs – ein calcitweißer GLK 220 CDI BlueEFFICIENCY – direkt in der Montagehalle an den Kunden.

“6 Millionen Mercedes-Benz Pkw ,Made in Bremen‘: Mit diesem Produktionsjubiläum haben wir einen wichtigen Meilenstein erreicht. Mein Dank geht an die Bremer Mannschaft, die Tag für Tag Höchstleistung erbringt und jedes Auto mit so viel Leidenschaft baut, als wäre es ihr eigenes”, sagt Andreas Kellermann. Das Jubiläumsfahrzeug geht an Rainer Fojuth, Fahrschulbesitzer aus Bremen. “Dieser GLK wird bei uns als Schulungsfahrzeug eingesetzt. Ich habe mich für ihn entschieden, weil er ein Trendsetter ist und sich aufgrund seiner Zugkraft auch hervorragend für die Schulung von Fahrten mit Anhängern eignet”, erklärt Fojuth.

Daimler Zentrale: IG Metall gewinnt Mehrheit im Betriebsrat

5 12011vUTC11bUTCMon, 14 Nov 2011 12:40:22 +0000 2006

Am 8. November 2011 wurde in der Daimler Zentrale ein neuer Betriebsrat gewählt. Die IG Metall hat dabei die absolute Mehrheit im Betriebsratsgremium gewonnen. Sie erzielte 20 von 39 Sitzen. Bei der letzten Wahl im März 2010 hatte sie die Mehrheit knapp verfehlt.

Mit dem Wahlergebnis bei der Betriebsratswahl in der Daimler-Zentrale wird auch die IG Metall-Fraktion im Gesamtbetriebsrat gestärkt. Die designierte stellvertretende Vorsitzende des Betriebsrats Ingrid Lepple wird voraussichtlich neu im Gesamtbetriebsrat vertreten sein. Die Listengruppierung “Die Unabhängigen” ist nicht mehr im GBR. Der bisherige Betriebsratsvorsitzende Jörg Spies wird voraussichtlich sein Amt behalten.

Die Neuwahl war notwendig geworden, nachdem das Landesarbeitsgericht Baden- Württemberg im April 2011 die Betriebsratswahl vom März 2010 gekippt hatte. Der Betriebsrat war daraufhin zurückgetreten und hatte damit den Weg für Neuwahlen frei gemacht. Bei dem Streit ging es um etwa 800 Beschäftigte, die von Seiten der Geschäftsführung zu den leitenden Angestellten gezählt worden waren. Damit konnten diese Beschäftigten nicht an der Betriebsratswahl 2010 teilnehmen. Die Arbeitsrichter haben nun entschieden, dass von den 800 angeblichen leitenden Angestellten nur 300 tatsächlich über die Befugnisse einer Führungskraft verfügen. Demnach sind alle anderen wahlberechtigt nach dem Betriebsverfassungsgesetz.

Die Entscheidung der Arbeitsrichter wirkt sich auch auf die Betriebsratsgremien der anderen Daimler-Standorte aus. Allerdings werden die neuen Regeln dort erst bei der nächsten regulären Betriebsratswahl im Jahr 2014 berücksichtigt, denn die Einspruchsfristen sind bereits abgelaufen.

Daimler und Nissan rücken zusammen

5 12011vUTC11bUTCMon, 14 Nov 2011 12:36:23 +0000 2006

Daimler sondiert einem Zeitungsbericht zufolge mit seinem Kooperationspartner Renault-Nissan eine gemeinsame Motorenproduktion. In Nordamerika suche Daimler zusammen mit der Nissan-Tochter Infiniti nach einem Standort für ein neues Werk, berichtete die „Financial Times Deutschland“ ohne Angabe von Quellen. Eine Entscheidung dazu solle noch in diesem Jahr fallen. Ein Daimler-Sprecher wollte sich dem Bericht zufolge dazu nicht äußern.

Daimler und Renault-Nissan hatten bereits auf der Automesse IAA im September angekündigt, ihre Kooperation auszuweiten. Infiniti soll im Jahr 2014 auf der Basis der Kompaktwagen-Plattform von Mercedes-Benz Premium-Kompaktwagen bauen. Zudem erwägt Renault, künftig einzelne Module von Mercedes zu nutzen, beispielweise Klimaanlagen. Grundsätzlich sei in der Partnerschaft kein Thema ausgeschlossen, da die Autobauer nur in geringem Maße im Wettbewerb stünden, hatte Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn gesagt. Ursprünglich hatten Daimler und Renault-Nissan eine Zusammenarbeit bei Kleinstwagen wie dem Smart und dem Renault Twingo sowie bei Stadtlieferwagen vereinbart.

Unternehmen erstattet Anzeige gegen Betriebsrat

5 72011vUTC11bUTCSun, 06 Nov 2011 10:05:07 +0000 2006

Daimler fährt schweres Geschütz gegen den Untertürkheimer Betriebsrat Georg-Dieter Bell auf. Der Autokonzern hat dem Betriebsrat nicht nur fristlos gekündigt, sondern auch bei der Stuttgarter Staatsanwaltschaft angezeigt, wie ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage mitteilte. Bis jetzt gibt es nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch kein Ergebnis der Ermittlungen. Mit der Einschaltung der Staatsanwaltschaft gewinnt der Fall zusätzliche Brisanz. Denn Bell soll eigentlich im Dezember in den Aufsichtsrat des Unternehmens einziehen. Dies wurde bereits vor drei Jahren vereinbart. Er soll in dem Kontrollgremium Ansgar Osseforth ablösen, der in den Ruhestand geht.

Der Vorwurf des Unternehmens lautet auf massiven Arbeitszeitbetrug. Nach StZ-Informationen wirft das Unternehmen Bell vor, dass er bereits seit Jahren seine Ehefrau während seiner Arbeitszeit von Untertürkheim in den Daimler-Werksteil Mettingen gefahren hat, wo diese beschäftigt ist. Bei einem Gütetermin vor dem Stuttgarter Arbeitsgericht kamen im September Details noch nicht zur Sprache.

Der Untertürkheimer Betriebsrat hat der fristlosen Kündigung widersprochen, weil er sie als unangemessen einstuft. Deshalb ist es nun zu dem Verfahren vor dem Arbeitsgericht gekommen. Zugleich hat der Betriebsrat jedoch Bell in einer Stellungnahme dazu aufgefordert, als Vertreter der Arbeitnehmer zurückzutreten, weil er mit seinem Verhalten das Vertrauen der Mitarbeiter missbraucht und dem Ansehen des Betriebsrats geschadet habe. Auch auf den Sitz im Aufsichtsrat soll er verzichten. Dies lehnt Bell jedoch nach Informationen der Stuttgarter Zeitung ab. Wie zu hören ist, will er kämpfen und empfindet die Vorgehensweise des Unternehmens als “unerträgliche Ehrverletzung”.

Am 14. Dezember soll das Verfahren vor dem Stuttgarter Arbeitsgericht fortgesetzt werden. Wenn Bell alle arbeitsrechtlichen Möglichkeiten ausschöpft, könnte die Auseinandersetzung nach Einschätzung von Juristen gut bis zum Jahr 2013 dauern, wenn die laufende Wahlperiode der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat endet.

Bells Anwalt Stefan Nägele zeigt sich wenig beeindruckt davon, dass zugleich die Staatsanwaltschaft gegen seinen Mandanten ermittelt. Daimler schreibe solche Strafanzeigen derzeit geradezu wie am Fließband, meint Nägele, der aktuell etwa ein halbes Dutzend Mitarbeiter in rechtlichen Auseinandersetzungen mit dem Stuttgarter Autokonzern vertritt. “Eine Strafanzeige bedeutet ja nicht, dass auch ein strafrechtlich relevanter Vorwurf vorhanden ist”, sagt Nägele. Er habe die Akten genau studiert. “Ich kann nicht erkennen, dass sich Georg-Dieter Bell strafbar gemacht haben könnte”, meint der Anwalt. Nägele zeigt sich sehr sicher, dass die Vorwürfe des Unternehmens entkräftet werden können.

Der Anwalt argwöhnt, dass es sich “offensichtlich um ein politisch motiviertes Verfahren handelt”, mit dem Bell schlechtgeredet werden solle. Nägele sagt, dass er Belege für eine Vielzahl von Arbeitszeitverstößen von Daimler-Betriebsräten habe, die anders als im vorliegenden Fall einfach zu den Akten gelegt und abgehakt worden seien. Der Anwalt wirft dem Unternehmen vor, dass es bei Vertretern der IG Metall und anderen Betriebsratsmitgliedern mit zweierlei Maß misst. Die Wahl Ansgar Osseforths vor drei Jahren war eine Zäsur. Er war der erste betriebliche Vertreter auf der Arbeitnehmerbank von Daimler, der nicht der IG Metall angehörte. Die Liste “Beschäftigte pro Daimler-Benz” hatte damals ganz knapp ein Mandat errungen. Georg-Dieter Bell, der Osseforths Nachfolger werden soll, ist Mitglied der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM).

Bremen und Alabama schließen Pakt

5 72011vUTC11bUTCSun, 06 Nov 2011 10:03:28 +0000 2006

Das Land Bremen will seine Wirtschaftsbeziehungen mit den USA verbessern. Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) ist mit einer Delegation von Wirtschaftsvertretern in den US-Staat Alabama gereist. Gestern wurde ein gemeinsames Abkommen unterzeichnet, wonach die Wirtschaftsförderungsgesellschaften von Alabama und Bremen künftig enger zusammenarbeiten sollen.

Bremen und der US-Bundesstaat Alabama wollen künftig bei der Wirtschaftsförderung enger zusammenarbeiten. Dazu unterzeichneten gestern in der Stadt Tuscaloosa Andreas Heyer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bremen (WfB) und Greg Canfield, Chef der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Alabama (Alabama Development Office ADO), eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding). “Ziel ist es, grundsätzlich abzustimmen und zu regeln, wie beide Länder inhaltlich miteinander zum beiderseitigen Vorteil enger kooperieren können”, sagte Heyer.

Hintergrund des Abkommens: Ab 2014 wird das Daimler-Werk in Bremen zum weltweiten Kompetenzzentrum für die Produktion des neuen C-Klasse-Modells, der meistgebauten Mercedes-Produktlinie. Das wichtigste Volumenmodell des Stuttgarter Autobauers wird dann an vier Standorten (Bremen, Peking, East London in Südafrika und Tuscaloosa in den USA) gebaut werden. Tuscaloosa als Hauptstandort für die Produktion von sogenannten SUVs – die M-, GL- und R-Klasse – muss für die C-Klasse-Produktion entsprechend vorbereitet werden. Dazu sind geeignete neue Mitarbeiter sowie zahlreiche Schulungsprojekte nötig.

Darüber hinaus erhoffen sich beide Seiten Effekte für zusätzliche Firmenansiedlungen beziehungsweise vertiefte Wirtschaftsbeziehungen. “Bremen und Alabama haben eine sehr ähnliche Wirtschaftsstruktur”, sagt Andreas Gerber, Leiter der internationalen Abteilung der WFB. In beiden Ländern gebe es starke Bereiche der Automobilbranche sowie der Luft- und Raumfahrtindustrie. Und in beiden Ländern stehen Mittelstandsförderung sowie die stärkere Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft im Mittelpunkt. “Das lädt geradezu dazu ein, die jeweiligen Synergien zu überprüfen.”

In dem Abkommen versichern nun beide Länder, sich künftig gegenseitig dabei zu unterstützen, Unternehmen, die sich für die jeweils andere Region interessieren, bestmöglich zu helfen und zu beraten. Außerdem sollen Informationen über Entwicklungen in Handel, Industrie und Wirtschaftsbeziehungen ausgetauscht werden. Das soll helfen, die Beziehungen zu stärken und zu vertiefen. Am Ende steht laut der Vereinbarung das Ziel, “Veranstaltungen und Aktivitäten zu planen, die geeignet sind, die Beziehungen und Kontakte der Regionen zu festigen sowie deren wirtschaftliche Perspektiven zu fördern”. Schließlich vereinbarten Heyer und Canfield, sich unverzüglich über potenzielle Investoren zu informieren, die ein Interesse am jeweiligen Partner äußern.

Die Idee zu dieser Kooperation wurde durch die schon bestehenden Kontakte der beiden Daimler-Werke in Bremen und Tuscaloosa geboren. Daimler in Alabama muss bis 2014 seine Mitarbeiter schulen, damit sie ab 2014 die C-Klasse in entsprechender Qualität fertigen können. Dazu wollen die beiden Wirtschaftsförderungsgesellschaften beitragen. Gerber betont jedoch, dass für die WfB die Ansiedlung von US-Unternehmen in Bremen oberste Priorität habe. Mit den Kollegen in Alabama verhalte es sich ebenso. Die Bremer wollen dabei von den bereits geknüpften Kontakten profitieren, die bremische Unternehmen in den USA pflegen. Im Fall von Alabama ist dies die BLG, die für Mercedes in Tuscaloosa Werks-Logistik und Teilelogistik betreibt. “Konkret heißt das: Wenn wir vom Interesse einer Firma für Ansiedlungen erfahren, geben wir Hinweise, an wen sie sich in Alabama wenden kann – und umgekehrt”, sagt WfB-Chef Heyer. Konkret nennt Auslandschef Gerber die Firma Voith Engineering, die

kürzlich fünf Tage in Alabama zum Informationsbesuch war. Sie verspricht sich Aufträge bei Mercedes. Da können die Bremer nun besser vermitteln. “Wir wollen so helfen, den kleinen und mittelständischen Zulieferbetrieben aus der Region Bremen eine Tür in die USA zu öffnen”, sagt Gerber. Die Amerikaner wiederum hätten ein Interesse an Ansiedlungen von Luft- und Raumfahrtzulieferern in Bremen. Dabei wiederum sollen Bremer Unternehmer helfen, wie etwa OHB-Vorstand Manfred Fuchs, der beste Beziehungen zur Nasa und dem US-Raumfahrtzentrum Huntsville pflegt. “Unsere Zielgruppe sind eindeutig kleine und mittelständische Unternehmen, die das alleine nicht schaffen würden”, sagt Heyer.

Diese Türöffner-Funktionen will die WfB künftig gezielt aktivieren. Man habe da gute Erfahrungen gemacht, sagt der WfB-Chef. “In China hilft uns die Firma Melchers, die dort seit 150 Jahren aktiv ist. Wir hoffen, dass die wunderbaren Netzwerke bremischer Firmen weltweit weitere Potenziale aktivieren können.”

Daimler und chinesische BAIC prüfen Investitionen

5 42011vUTC11bUTCThu, 03 Nov 2011 12:00:29 +0000 2006

Der Automobilhersteller Daimler und die chinesische Gruppe BAIC wollen enger bei der PKW-Fertigung kooperieren. Dies beschlossen sie in einer Absichtserklärung. Ein Fokus könnte auf alternativen Antrieben liegen.

Daimler und sein chinesischer Partner BAIC wollen ihre Partnerschaft vertiefen. Anlässlich des Besuchs einer hochrangigen Delegation aus China unterzeichneten die beiden Autobauer am Mittwoch in Stuttgart eine entsprechende Absichtserklärung. Beide Unternehmen wollen analysieren, wie und wo sie noch stärker zusammenarbeiten und investieren könnten. Die Partnerschaft könne etwa bei Fahrzeugen mit alternativen Antrieben ausgebaut werden, um die Wettbewerbsfähigkeit in China zu stärken.

Daimler ist wie seine Konkurrenten derzeit stark von der Nachfrage chinesischer Autokäufer abhängig und umwirbt daher die Regierung in Peking. Erst Ende Juni hatte Daimler angekündigt, ab 2013 gemeinsam mit BAIC (Beijing Automotive Group) in China schrittweise drei Kompaktwagen der Marke Mercedes-Benz zu montieren, um die dort günstigen Produktionskosten und die boomende Pkw-Nachfrage auszunutzen. Das bestehende Montagewerk in Peking soll dazu erweitert werden, die Werksfläche auf das vierfache wachsen. Ein entsprechender Rahmenvertrag sieht Investitionen von insgesamt rund zwei Milliarden Euro im Reich der Mitte vor. Diese Summe ist Teil der von Daimler und Partnern bereits vor mehr als einem Jahr angekündigten Investitionen in China über rund drei Milliarden Euro, die in die Erweiterung der Produktion von Pkw, Lkw und Transportern, die Erweiterung des Händlernetzes sowie in das Auto-Finanzierungsgeschäft fließen sollen.

Mercedes Sprinter: erstmals in China gebaut

5 22011vUTC11bUTCTue, 01 Nov 2011 09:07:49 +0000 2006

Mercedes ist in China der einzige Premiumhersteller mit eigener Van-Produktion. Auf dem dortigen Markt wird nach dem Viano und dem Vito nun auch der Sprinter mit Busausstattung angeboten.

Der erste Mercedes-Benz Sprinter aus lokaler Produktion bei Fujian Daimler Automotive Co., Ltd (FJDA) rollte jetzt vom Band. Der Mercedes-Benz Sprinter ist nach Viano und Vito das dritte von Fujian Daimler hergestellte Fahrzeug auf dem chinesischen Van-Markt und schließt eine Lücke bei den Großraumtransportern. Insgesamt werden drei verschiedene Sprinter-Modelle mit unterschiedlichen Aufbaulängen und entsprechenden Sitzanordnungen angeboten. Es können Fahrzeuge mit einem Platzangebot zwischen 14, 17 und 20 Sitzen gewählt werden.

Entsprechende elektronische Sicherheitssysteme wie ESP (elektronisches Stabilitätsprogramm) oder nach neuesten Technologien entwickelte Fahrgast-Sicherheitszellen sorgen für die passive Sicherheit. Der Innenraum ist mit komplett verstellbaren Passagiersitzen aus zweifarbigem Leder, einer eleganten Innenverkleidung und dem Stern-Logo ausgestattet. Daimler hat damit nach eigenen Angaben als einziges ausländisches Unternehmen Joint Ventures für die lokale Produktion von Lkw, Transportern und Pkw in China gegründet.


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